Vom grossen Glück, ein Mensch zu sein.

Neulich in Paris. «Guten Tag, wie kann ich Ihnen helfen? Was wünschen Sie?» Zwei süsse Kugelaugen schauen empor zu mir. Sie gehören einem kleinen niedlichen Roboter, der mich begrüsst, als ich die Verkaufsräume eines japanischen Mode-Labels betrete. Nicht weiter erstaunlich treffe ich hier auf ihn, schliesslich sind die Japaner führend im Umgang mit diesen maschinellen Erscheinungen.

Fast ein bisschen zum Verlieben ist der Kleine, mit dem ich gerade Bekanntschaft mache. Ich bin neugierig, gehe in Konversation mit meinem «neuen» Verkaufsfreund, und erfahre dabei in unsagbar kurzer Zeit, wie schnell er an seine Grenzen stösst. Und es ist deutlich wahrnehmbar, wie leer und tot die Verbindung zwischen uns ist. Nichts fliesst. Daran können auch seine Kugelaugen nichts verändern. Tja, bei allen Wundern, die die heutige Technik so hervorbringt – so ein Roboter ist eben letztlich doch kein Mensch. Er wird immer Maschine bleiben. Mag er noch so hochentwickelt sein.

Wie es das Wort schon sagt und sehr bezeichnend beschreibt:
Künstliche Intelligenz ist künstlich, nicht natürlich.
Und das ist genau der springende Punkt!

In Zeiten der fortschreitenden Technisierung, Robotisierung und Digitalisierung und aller damit aufkommenden Herausforderungen und Verantwortlichkeiten dürfen wir eins nicht vergessen: Sämtliche dieser Entwicklungen haben eigentlich zum Ziel, uns noch näher zu unserem Menschsein, zu unserer Einzigartigkeit, zu unseren natürlichen Besonderheiten und zu neuen Möglichkeiten zu führen. Wir sind im Begriff eine Erweiterung zu erfahren. Nicht umsonst befinden wir uns im viel zitierten Bewusstseinszeitalter.

Die künstliche Intelligenz kann uns ein guter Partner sein, ein wertvoller Unterstützer und tatkräftiger Entlastungshelfer. Sie darf uns aber weder Chef sein geschweige denn zu einem Diktator werden. Sie zu verherrlichen wäre genauso falsch und irrsinnig wie ihr alles zu übertragen und sie grenzenlos wirken zu lassen. Wir müssen damit aufhören, uns von anderen einreden zu lassen oder zu denken, der Mensch sei diesen Entwicklungen ausgeliefert und Maschinen könnten ihm seinen Platz und Wert streitig machen. Verdrängen kann uns nur das, von dem wir uns verdrängen lassen.

Wir dürfen nicht glauben, wir seien im Nachteil gegenüber technischen und digitalen Entwicklungen – ganz im Gegenteil. Das Zwischenmenschliche, das Persönliche, das Authentische und die eigene seelische Kraft gewinnen durch den zunehmenden Fortschritt an Wert. Und wenn wir es richtig einsetzen erhöht sich ebenso seine Wirksamkeit und Relevanz.

Der Technik wohnt unbestritten ein Zauber inne. Sie mag uns zum Staunen veranlassen und uns einiges erleichtern – doch den Menschen verdrängen oder ersetzen vermag sie nicht. Nicht heute, und nicht später. Dabei hat es jeder von uns selbst in der Hand, ob er zu einem Spielball der neuen Errungenschaften wird, seine Eigenverantwortung abgibt oder in seine Verantwortung kommt, bewusst und achtsam die Hilfsmittel der heutigen modernen Zeit zu Beginn des dritten Jahrtausends für wohlwollende Zwecke zu nutzen versteht.

Maschinen sind seelenlos, der Mensch ist es nicht.

Was uns als Individuum ausmacht sind unsere Werte, Haltungen, Überzeugungen und Einstellungen. Es ist unsere Fähigkeit, zu lieben und unabhängig zu denken und eigenständig zu handeln. Es ist die Gegebenheit, sich mit der Intuition verbinden zu können und Geistesblitze zu empfangen. Und unsere Gabe, auf jede Situation individuell und spontan eingehen zu können. Uns persönlich zeichnet aus, echte Beziehungen herstellen zu können, andere durch unsere Eigenheit berühren und inspirieren oder motivieren zu können. Es sind unsere Tugenden, die uns als Person auszeichnen. Es ist unsere intuitive, gefühlsbasierte und spirituelle Intelligenz, die uns von Maschinen und Robotern unterscheidet. Kreativ, mutig und ehrgeizig zu sein, echtes Mitgefühl zu zeigen oder voller Liebe zu kreieren – das alles kann nur ein Mensch zum Ausdruck bringen, der in Kontakt mit sich selbst steht.

Wir sind lebendig. Eine Maschine ist das nicht – mag sie noch so voller Wissen und in ständiger Bewegung sein.

 «The next Rembrandt» – so heisst das Bild, dass das Werk eines modernen Computerprogramms ist und paradoxerweise typischer wrkt als alle Rembrandt-Bilder, die der niederländische Maler (1606 – 1669) jemals zu kreieren verstand. Die künstliche Intelligenz, die das genannte Bild erschaffen hat, wurde mit Rembrandts Pinselstrichen gefüttert und errechnete daraus das typische Rembrandt-Gemälde schlechthin. Das Resultat dieser Rechenleistung wurde folgend von einem 3D-Drucker ausgedruckt. Fertig war das neue Bild des holländischen Meisters, der schon lange nicht mehr lebt. Auf den ersten Blick wirkt das Bild erschreckend vollkommen. Schön anzusehen. Wie ein Rembrandt eben. Nichtsdestotrotz offenbart sich einem bei tieferer und intuitiver Betrachtung, wie dem Ganzen etwas Massgebliches fehlt. Trotz aller Perfektion. Etwas ganz Bestimmtes ist nicht auffindbar: Das gewisse Etwas, das den Betrachter in seinem Inneren zu berühren weiß. Eine ganz besondere Kraft fehlt. Das Bild ist ohne Seele – ihm fehlt jene einzigartige und unverfälschte Kraft, die Rembrandt als Mensch durchdrungen hat und mit der er auf seine ganz eigene Art seiner Kunst zum Ausdruck verhalf. Selbst so mancher Kunsthistoriker bemerkte dies und war mit dem Bild nicht glücklich. Ihrer Meinung nach fehlt dem Bild ganz offensichtlich ein wichtiges Merkmal der Rembrandt-Malerei: der Glanz auf der Nasenspitze, wie DIE WELT am 16.04.2016 schrieb.

Unsere ureigene, schöpferische und vor allem natürliche (göttliche) Kraft birgt etwas Einzigartiges in sich und bringt etwas ganz Besonderes zum Ausdruck, das die künstliche beziehungsweise maschinelle Intelligenz nie hervorzubringen vermag. Und es ist eine unserer hohen Aufgaben, unseren Raum als Mensch mit seinen schönen Qualitäten noch bewusster, stärker einzunehmen und uns darauf zu besinnen, womit wir uns am besten einbringen können.

Werden wir uns also bewusst, welches Glück wir haben, ein Mensch zu sein, der ein Leben geschenkt und damit die Möglichkeit erhalten hat, sich auf seine ganz eigene Weise auszudrücken! Diese Chance dürfen wir uns nicht entgehen lassen.

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